The Man Who Cycled The World
Mark Beaumont
Mark Beaumont hat die ganze Welt mit dem Fahrrad umkreist. Das haben
schon viele gemacht, doch der Schotte schaffte das Unterfangen in der
Rekordzeit von nur 194 Tagen und 17 Stunden.
Damit schlug er den bisherigen Weltrekord gleich um 81 Tage und darf
sich nun selbst - und vermutlich für längere Zeit -
an der Spitze der Guinness World Record-Liste sonnen.
18.297 Meilen brachte Beaumont hinter sich, nachdem er in Paris
startete und über Belgien, Holland, Deutschland, Polen, die
Ukraine, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Iran, Pakistan,
Indien, Malaysia, Thailand, Singapur, Australien, Neuseeland, den USA,
Portugal und Spanien nach Paris zurückkehrte. Durchschnittlich
100 Meilen pro Tag verbrachte er im Sattel - das sind 160 Kilometer
für 195 Tage in Folge. Ganz alleine, ohne Begleitfahrzeug,
überhaupt ohne Begleitung. Dagegen war mein Afrikaabenteuer wahrlich nur eine kleine
Spazierfahrt!
Der Ritt über die Weltkugel war
angesichts des angestrebten Weltrekords natürlich stets von
Eile geprägt. Und das spiegelt sich auch in dem 574-Seiten-Buch,
das bislang nur auf Englisch vorliegt, wider. Beaumont geht vor
allem darum, Kilometer zu machen. So viele wie möglich, und so
schnell wie möglich.
Beaumont beginnt seine Story beim Start in Paris. Er wirft aber schon bald
einen Blick zurück auf seine persönliche Lebensgeschichte und
leuchtet somit seinen Background aus. Aus alternativem und
ökologisch geprägten Elternhaus stammend, wuchs
Beaumont in Schottland auf und wurde wie seine beiden Schwestern
zunächst von der Mutter erzogen. Beaumont wurde ein mutiger
und unerschrockener Freigeist, was ihm auf seinem
Weltabenteuer immer wieder zu Hilfe kam.
Mitunter zeichnet er sich freilich durch eine fast frappierende
Naivität aus, wenn er mit seinem mit vier Taschen bepackten
und rund 50 Kilo schweren Rad durch die Welt pedalt. Beaumont
schildert die lange Zeit vergebliche Suche nach Sponsoren, seinen
schmalen Geldbeutel, der ihn mit einem gewöhnlichen Fahrrad
und äußerst begrenztem Budget auf die
Weltreise gehen lässt und seine entwaffnende
Unbekümmertheit, mit der er sich immer wieder auch durch
schwierigste Situationen navigiert -bisweilen mit Hilfe der "Home
Base", die seine Mutter an Handy und Computer in der schottischen
Heimat darstellte.
Mitunter glaubt man zwar seinen Augen nicht zu trauen, wenn Beaumont zugibt
"dass ich nicht wusste, dass Spanien so bergig ist" oder
darüber staunt, dass Neuseeland nicht "ebenso wie Australien
ist". Sein optimistisches Wesen lässt ihn jedoch jede
Herausforderung annehmen und schließlich auch
bewältigen, weshalb die lückenhafte Vorbereitung seiner Weltreise dem Leser das eine oder andere Leckerli beschert.
Etwas anstrengend beim Lesen sind die immer wieder thematisierten
Zeitprobleme, die ihn an den meisten Tagen bis zu 12 Stunden im Sattel
sitzen lassen, wodurch er von den Ländern nicht wirklich viel
mitbekommt. Sogar als sich eine kleine Liebesgeschichte anbahnt (in
Australien), verwirft er diese zugunsten seines Rekordversuches - was
freilich seine Entschlossenheit, mit der er das wahnwitzige Unternehmen
schließlich auch besteht, nur unterstreicht.
Auch seine Auszüg aus seinem Tour-Tagebuch sind bisweilen ein
wenig störend, zumal sie häufig das zuvor
Beschriebene noch einmal in statistischen Worten wiederholen.
Trotz dessen zieht Beaumont den Leser rasch in seine Gschichte rein.
Man fiebert mit, man fühlt mit und man freut sich, wenn er es
abends schließlich doch in ein Hotel oder einen versteckten
Ort geschafft hat, an dem er heimlich sein Zelt aufbauen kann. Man
leidet mit Beaumont, wenn ihn seine ständigen Speichenprobleme
am Hinterrad mal wieder in den ungünstigsten Momenten
einholen, oder wenn ihn seine Sitzprobleme einen aufgescheuerten
Hintern bescheren und der böse Gegenwind weitere Kraft kostet.
Ein Buch für lange Winterabende vor dem Kamin. Und ein Buch
über das, was ein Mensch bewältigen kann, wenn er nur den
nötigen Willen aufbringt. Allerdings auch ein Buch, in dem nicht allzuviel
über die Landschaft und die Menschen gesagt wird. Denn dazu
war Beaumont einfach zu eilig unterwegs, richtete sich sein Interesse an den Menschen zu einseitig auf Nahrung und Unterkunft.
Aber was für ein Abenteuer!
The Man Who Cycled The World
Mark Beaumont
Corki Books
ISBN: 978-0-552-15844-2
7,99 Pfund (englischsprachige Ausgabe)
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